Es war wohl Altersschwäche, multiples Organversagen oder etwas Schlimmeres. Am Ende jedenfalls stand es fest:

Die mit der großen Klappe ist nicht mehr. Sie hat von 2004 – 2012 bei uns gelebt und wir danken ihr dafür.

Eines Tages ließen fremde Männer sie hier zurück, ein Mädel aus gutem Hause. Da stand sie also rum, bekam von uns den Namen „Ingeborg“, wurde irgendwie integriert und seitdem wohnte sie bei uns.

Mietfrei. Für uns war sie eine dunkelgehäutete Schwarzarbeiterin.

Eine in Ämtern weitgehend unbekannte Angestellte ohne Sozialversicherungsnummer. Wir haben nie einen Cent an ihre Krankenkasse überwiesen, keine GEZ für sie gezahlt. Auch sonst war sie mit dem Wenigen, das man ihr geben musste ganz zufrieden.

Jahrelang war sie mitten unter uns. Immer fleißig, immer bemüht, das beste aus ihrem Dasein zu machen.

Stand immer nur still da und brummte.

In der letzten Zeit etwas lauter, das wohl. Aber im Großen und Ganzen waren wir recht zufrieden miteinander.

So sehen Intergrationssieger aus!

Gestern hat sie inwändig still räsoniert, eine Weile getottert und dann brannte ihr irgendwann eine Sicherung durch. Sie hat  noch etwas rumgestunken und dann die Brocken hingeworfen.

Nun stehen wir ohne sie da und plötzlich muss man sich erinnern, wie das war: alles Geschirr selbst abwaschen.

Ich zog ihr noch das braune Holzkleid aus und später hole ich die Jungs in Orange zum Abtransport. Ja, so grausam ist es, denn der Tod gehört immer auch zum Leben dazu!

Aber bald scheint wieder die Sonne. Dann füllt der Chef wieder das Konto des Familienknechts und dann gehen wir los ins Küchenstudio, eine neue Angestellte zu kaufen.

Is halt nix, so ohne Geschirrspüler.

Danke Dir, liebe Ingeborg, wars ein braves Mädel, der Herr sei Deinen Teilen gnädig.